*

neue Beiträge

Statistik

Mitglieder
  • Mitglieder insgesamt: 128
  • Latest: thecroc
Stats
  • Beiträge insgesamt: 9980
  • Themen insgesamt: 1279
  • Online Today: 24
  • Online Ever: 97
  • (Sa., 05. Sep 2009, 16:28:53)
Benutzer Online
Users: 4
Guests: 13
Total: 17

Autor Thema: Geistiges Konvolut  (Gelesen 1036 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jarl Jens

  • Herr von dina
  • Zirkelscholar
  • *
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Männlich
Geistiges Konvolut
« am: Fr., 23. Jul 2010, 14:36:32 »
Geistiges Konvolut

Manchmal spaziere ich durch den Park. Einfach so, um meinen Gedanken nachzuhängen und weil es mir gefällt. Inzwischen ist der Park etwas verwildert und zieht nicht mehr viele Leute an. Kurpromenaden sind wohl nicht mehr zeitgemäß. Früher stand hier, wo ich jetzt stehe, ein Pavillon. Filigran und puppenhausähnlich, wie aus einer hundert Jahre alten Postkarte ausgeschnitten. Jetzt steht hier eine Gartenbank, profan und massiv - Baumarktstandard.

Meine Gedanken wandern wieder in die Vergangenheit. Oft bin ich hier gewesen mit meiner Mutter, als ich noch ein Kind war. Denn vor dem Pavillon gab es damals eine Skulptur. Nicht dieser neoklassizistische Abklatsch griechischer Götterallegorien, wie er selbst heute noch häufig in Parkanlagen zu sehen ist. Auch keine protzige Reiterstatue mit den Ausmaßen eines Schwerlast- LKWs. Nein, es war ein ca. 30 cm großer - oder besser gesagt - kleiner Eisbär aus weiß getünchtem Beton. So eine Zement- Figur ist ja normalerweise nicht der absolute Hingucker, aber wenn man nahe genug davor stand, stellte man staunend fest, dass der unbekannte Künstler seinem Werk eine immense Ausdrucksstärke verlieh. Der Blick des Bären hatte etwas welpenhaftes, das mich unweigerlich an meinen daheim gebliebenen Teddybären erinnerte. Es war wie ein Zwang, immer wieder ging ich in den Park, um zu schauen, ob "mein" Betonteddy noch da ist.

Auch jetzt wandert mein Blick automatisch zu dieser Stelle ... und mich durchfährt ein glühend heißer Schreck, als ich dort den Bären sitzen sehe, der eben noch nicht da war. Nun bewegt er sich sogar und kommt auf mich zu. Doch bevor ich an meinem Verstand zu zweifeln beginne, bemerke ich dass es ein Hund ist. Ein kleiner Hund von undefinierbarer Rasse mit kurzem Fell in der Farbe von verwaschenem Weiß. Da sitzt er vor mir und schaut mich aus seinen dunklen Knopfaugen neugierig an. Ich mustere ihn ebenso. Die Farbe, die Knopfaugen und der ausgeprägte Bart verleihen ihm ein etwas robbenhaftes Aussehen. Und trotzdem, die Ähnlichkeit mit "meinem" Eisbären ist verblüffend. Unbewußt stiehlt sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Der Hund legt den Kopf schief. Seine Fähigkeit zur Mimik ist erstaunlich. Ich beginne ein Gespräch mit ihm.

"Na, mein kleiner Freund, hast du dich verlaufen?"

Natürlich gibt er keine Antwort, das habe ich auch gar nicht erwartet. Doch unverzüglich beginnt er mit einer Art Gebärdensprache. Er schraubt die Augenbrauen in die Höhe, robbt einen Schritt näher und pflanzt sich demonstrativ vor mich hin, um mich wieder mit diesem gottergebenen Blick anzuschauen.

Soll wohl heißen: "Nein, ich bin absichtlich zu dir gekommen."

Beeindruckt von so viel tierischer Intelligenz beginne ich den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen und erzähle ihm die Geschichte von "meinem" Eisbären. Immer wieder amüsiere ich mich über seine Mimik und bemerke deshalb erst dass eine Frau vor mir steht, als ihr Schatten auf mich fällt.

Es ist eine alte Frau, schätzungsweise 65 Jahre mit gepflegten grauen Haaren, die sie offen trägt. Ihre Kleidung und ihr aufrechtes Erscheinungsbild strahlen verblühte Eleganz aus. Sicher war sie einmal eine Schönheit. Doch das Bemerkenswerteste waren ihre Augen. Genau wie der Hund schien sie damit reden zu können. Ein wissendes Lächeln verstärkte ihre Lachfältchen.

Dann durchbrach sie das Schweigen: "Entschuldigen Sie bitte, aber es ist das erste Mal, dass Robin zu einem Fremden geht." und ließ hilflos ihre Hundeleine vor meinen Augen pendeln.

Da ich nichts sagte, fragte sie: "Darf ich mich zu Ihnen setzen?"

Ich rückte ein Stück zur Seite, um ihr Platz zu machen. Die Unsinnigkeit dieser Geste auf einer 2 Meter breiten Bank wurde mir erst im Nachhinein bewußt. Inzwischen hatte die alte Dame meine stumme Einladung angenommen.

Ich hörte mich fragen: "Robin?" weil sich in meinen Gedanken gerade Robin Hood mit Pfeil und Bogen durch eine Baumkrone schwang.

Ich schüttelte unwillkürlich den Kopf über meinen gedanklichen Ausrutscher. Robin, mittlerweile vor unseren Füßen liegend, hob bei meiner laut geäußerten Frage den Kopf und formte mit seinem Gesicht ein Fragezeichen.

Die alte Frau lachte plötzlich leise und melodisch und als könne sie meine Gedanken lesen, antwortete sie: "Ja, richtig. Ich habe ihn Robin genannt, weil er einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat. Haben Sie das Buch auch gelesen?"

Immer noch erstaunt antwortete ich: "Das von Scott oder Carpenter?"

Darauf Sie: "Oh, Sie lesen viel, wie erfreulich. Was lesen Sie gerade?"

Ihr offener Blick hatte mich verleitet, ohne nachzudenken zu antworten: "John Norman."

Als mir bewußt wurde, was ich da sagte, hätte ich mir auf die Zunge beißen mögen. Aber im nächsten Moment, dachte ich beruhigt, dass ihr dieser Autor sicher nicht bekannt ist. Doch ihre Antwort ließ mich erstarren.

"Aha, die Gor- Reihe. Sie sind ein erstaunlicher junger Mann."

Meine Neugier begann sich zu regen und ich ging in die verbale Offensive.

"Was halten Sie von den Gor- Büchern?"

Sie dachte kurz nach und Robin, dessen Blick in diesem Frage und Antwort- Spiel zwischen uns pendelte, legte seine Stirn in possierlich professorenhafte Falten.

"Nun ja, literarisch gesehen, eine schlüssige futuristische Romanhandlung, mehr nicht. Aber die Bücher sind ja auch nicht für Leute mit einem Shakespiereanspruch geschrieben. Normalerweise interessiere ich mich nicht für Weltraumgeschichten - verständlich bei einer Frau - doch die Idee einer Parallelwelt hatte etwas für sich und weckte meine Neugier.
Die Bücher haben mich stark beeinflusst. Als die ersten in den 70ern herauskamen, lebte mein Hermann noch, der einzige Mann in meinem Leben. Wir führten eine Ehe mit traditioneller Rollenverteilung, daran hat auch Woodstock nichts verändert. Doch diese Bücher eröffneten uns völlig neue Perspektiven. Am äußeren Gefüge unserer Beziehung hat Gor nichts geändert, es war eher eine Sache der Einstellung, des Umdenkens. Ich habe es so empfunden, als hätte ich plötzlich die gottgewollte natürliche Ordnung begriffen - mein eigentliches Wesen als Frau."

Die lange Rede hatte Robin schläfrig gemacht und er döste vor unseren Füßen.
Wieder versenkte die alte Frau einen ihrer unergründlichen Blicke in mich und nachdem sie mein stummes Einverständnis "erfühlt" hatte, fuhr sie mit ihrem Monolog fort.

"Hermann war eine starke Persönlichkeit. Er hat sich einfach genommen, was er wollte, hat sich nicht darum geschert, ob mir das passte. Mit einer Ausrede, wie Migräne, brauchte ich ihm gar nicht erst zu kommen. Und ich war glücklich mit ihm. Ihn zu umsorgen gab meinem Leben einen, nein DEN Sinn. Ich glaube, er war auch glücklich, denn er hatte ja eine Frau, die sich nie beschwerte, nie unzufrieden war und klaglos bestrebt war, jeden seiner Wünsche zu erfüllen. Manchmal, wenn er sich unbeobachtet fühlte, bemerkte ich wie stolz er auf mich war."

Die alte Frau schwieg wieder und hing ihren Gedanken nach. Ich ließ das Gesagte auf mich wirken und beobachtete Robin, der ein Dutzend Ameisen beim Abtransport eines Brotrestes beaufsichtigte.

Dann fragte ich: "Haben Sie nichts als ungerecht empfunden?"

Ihr erschrockener Blick stellte meine Frage ad absurdum.

"Nein, er war kein Thyrann, er war nur streng. Ich liebte auch seine Marotten und Fehler - das machte ihn menschlich."

"Aber von Ihnen durfte er Perfektion erwarten?"

"Ich denke, im Prinzip schon, denn ein Herr hat doch das Recht, das durchzusetzen, was seinen Zielen dient. Aber bei Hermann kann ich das jetzt gar nicht sagen, weil es mein Anspruch an mich selbst war, ihm bestmöglichst zu dienen."

"Er durfte also wirklich alles verlangen?"

"Ja"

"Alles ist ein großes Wort. Ich verweise da nur mal auf die polygamen Aspekte von Gor."

"Zu verlangen, ist das Recht des Herrn - zu dienen, die Erfüllung der Sklavin."

Als wäre dieser letzte Satz der Schlußakkord unseres Dialogs, stand Robin auf und blickte uns abwartend an. Meine Gesprächspartnerin hatte das auch bemerkt und meinte: "Ich glaube, Robin wird ungeduldig und möchte weiter."

Worauf ich mit einem Blick auf die Uhr erwiderte: "Robin hat Recht, für mich wird es auch langsam Zeit zu gehen."

Die alte Frau erhob sich mit bemerkenswerter Geschmeidigkeit, senkte ihren Blick und verabschiedete sich mit den Worten: "Ich danke Ihnen für das interessante Gespräch und für die Zeit, die Sie mir gewidmet haben .........Herr."

Und ich antwortete: "Es war mir ein Vergnügen, Kajira."

Und wärend die Frau sich abwandte, erblickte ich ein Strahlen auf ihrem Gesicht, als hätte ich sie beschenkt. Sie bog um die Ecke und entschwand meinen Blicken, Robin tollte noch eine Weile über eine ungemähte Wiese und folgte ihr dann.

Plötzlich kam mir dieser Platz sehr einsam vor.

Offline adira{G}

  • Eigentum von Gerrit
  • Sklavin
  • *
  • Beiträge: 1.564
  • Geschlecht: Weiblich
    • Die dunkle Seite erwartet dich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #1 am: Fr., 23. Jul 2010, 18:17:37 »
Werter Herr,

vielen Dank für diese Geschichte - sie berührt mich sehr! Diese Geschichte klingt sehr authentisch. Es ist schön zu spüren, wie sehr die Werte hier (besonders) bei dieser Frau eine Rolle spielen und sie diese für sich verinnerlicht hat. Es gab auch gleich diesen Respekt dem fremden Mann gegenüber, ohne aber gleich (billig) vor ihm zu knien - das wäre irgendwie völlig unpassend gewesen. Sie kniete aber im Herzen vor dem Mann - und eine entsprechend gegenseitige Respektierung wird ganz deutlich am Ende der Geschichte durch die Verabschiedung!

Wirklich toll! Vielen Dank!

*verneigend*
adira{G}
Kajira von Gerrit


Das Leben eines weiblichen Sklaven ist ein einheitliches, totales und unauflösbares Ganzes.
(Tänzerin von Gor)

Offline morgenstern

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 247
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #2 am: Fr., 23. Jul 2010, 22:35:19 »
............................. ............................. .........................

Auf jeden Menschen mag diese Geschichte anders wirken.
Meine Gedanken dazu.................

Diese Frau hatte mit ihrem Herrn, als er noch lebte eine sehr
erfüllte Zeit und sie lebte sie gerne als Frau.

Als sie dem jungen Mann begegnete, dort im Park, denke ich mir, dass sie diese Minuten der Erinnerung sehr genoss.

Sicher hatte sie am ganzen Körper Gänsehaut weil sie sich,wenn
auch nur kurz an diese Zeit zurückgesehnt hat und genau in diesen
Minuten war es wieder da.
Dieses herrliche Gefühl und es war einfach nur schön...........


morgenstern
Wer seine Gedanken nicht aufs Eis zu legen versteht, sollte sich nicht in die Hitze des Streites begeben.

Online Herr_der_O

  • dominanter Mann
  • *
  • Beiträge: 157
  • Geschlecht: Männlich
  • Man(n) wird nicht als Herr geboren...
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #3 am: Sa., 24. Jul 2010, 08:28:35 »
moin,

ja, nicht schlecht die Geschichte. Es erinnert mich ein wenig an die "Titanic" Story....

Gruß, HdO
"Es ist nicht verkehrt, Menschen zu führen.
Es ist nur verkehrt, wenn der falsche Mensch führt."

Offline in-es-

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 349
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #4 am: Sa., 24. Jul 2010, 14:17:19 »
Nun ja, unter Authentizität verstehe ich ein bissel was andres.
Von einer 65 jährigen Dame erwarte ich eine bestimmte Weisheit und Lebenserfahrung, nicht, dass sie sich so ausdrückt, wie eine verklärte Jungverliebte in Anfängerschuhen.

Davon abgesehen:
Ich glaube nicht, dass es hier jemanden gibt, der jemals eine Frau in dem Alter traf, die sich für Gor begeisterte. Der Grund dürfte auf der Hand liegen.
Die Frauen in dem Alter könnten unsere Mütter sein, sie haben uns den Boden für ein Leben in Frieden und Freiheit bereitet, insbesondere in den Nachkriegsjahren.
Ob die sich wirklich für Sklaverei, wie sie von Normen beschrieben wird, begeistern?

Jeder kann es so halten, wie er will und ich bitte das nicht als Kritik zu verstehen.
Aber Menschen in dem Alter respektiere ich viel zu sehr, als sie in irgendwelche Sklavinnenfantasien einzubinden.
Man darf eines nicht aus den Augen verlieren:
Frauen, die nicht nur einen Teil und/oder die Nachwirkungen des Krieges miterlebten, und insofern die Freiheit zu schätzen wissen, Frauen, die sich für uns Jahrzehnte eingesetzt haben, damit wir emanzipiert leben können, wären alles andere als begeistert, wenn sie in Geschichten als Sklavin dargestellt werden.

Das ist allerdings nur meine Sicht dazu, jeder kann es so sehen, wie er mag.
Nichts desto trotz hiermit mein Kompliment an den Autor wegen dem Schreibstil. 
Anfangs hat mich die Geschichte sogar sehr gefesselt, bis sie dann zu sehr von der Realität abgedriftet ist.
Ich bin seit ein paar Jahren in der Literaturszene unterwegs und weiß einzuschätzen, wer das Zeug zum schreiben hat. Hier sehe ich – auf den Schreibstil bezogen – ein großes Potenzial.
Schau was Du tust, und Du weißt, was Du willst.

Offline Sascha

  • Herr
  • *
  • Beiträge: 12
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #5 am: Sa., 24. Jul 2010, 23:18:34 »
Auch ich muß sagen dass ich diese Geschichte durchaus ansprechend finde.

Die Kritik von dir in-es- kann ich zum gröößten Teil nicht nachvollziehen.
Auch wenn (oder grade weil) vermutlich niemand von uns mit einer Frau im entsprechendem Alter über Gor gesprochen hat ist eine Einstellung wie hier geschildert zumindest nicht vollkommen auszuschließen.

Außerdem wäre jemand mit 65 Jahren 1945 geboren worden und damit eher in den Jahren des Wirtschaftswunders aufgewachsen als in den direkten Nachkriegsjahren.
Sicherlich haben diese Frauen auch viel für die Emanzipation getan, doch auch hier ist der Lebensstill immer ein persönlicher.
Wenn du sagst dass eine Frau die Gorbücher damals nicht positiv aufnehmen und Paralelen zum eigenen Leben ziehen konnte wäre dass das Gleich wie zu sagen dass die Käufer der Bücher nur Männer waren die darin eine Erfüllung ihrer Machtphantasien sahen.
Ich wage es an dieser These zu zweifeln.

Daher würde ich mich persönlich nicht wagen die Nähe der Geschichte zur Realität gänzlich in Frage zu stellen.

Offline adira{G}

  • Eigentum von Gerrit
  • Sklavin
  • *
  • Beiträge: 1.564
  • Geschlecht: Weiblich
    • Die dunkle Seite erwartet dich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #6 am: So., 25. Jul 2010, 08:22:52 »
Die Meinungen gehen wohl ziemlich auseinander... ich kann bei dem Alter von 65 von meiner inzwischen verstorbenen Schwiegermutter sprechen, die trotz ihres Alters sehr aufgeschlossen war. Sie hatte sich sehr wohl zurück gehalten, uns über unsere Lebensweise auszufragen - ein paar Kommentare gab es, mehr nicht. Schwer zu sagen, was sie selbst davon hielt - sie erlebte zumindest, dass wir eine sehr glückliche Beziehung führen und ich weiss auch, dass sie selbst sehr wohl auch ihrem Mann untergeordnet war und ihr Elemente die wir heute D/s nennen durchaus bekannt waren. John Norman kannte sie aber wohl nicht ;-)

LG
adira{G}
Kajira von Gerrit


Das Leben eines weiblichen Sklaven ist ein einheitliches, totales und unauflösbares Ganzes.
(Tänzerin von Gor)

Offline in-es-

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 349
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #7 am: So., 01. Aug 2010, 11:48:08 »
Hallo Sascha:

Zitat von: Sascha"
Auch wenn (oder grade weil) vermutlich niemand von uns mit einer Frau im entsprechendem Alter über Gor gesprochen hat ist eine Einstellung wie hier geschildert zumindest nicht vollkommen auszuschließen.


Interessant, nicht wahr?
Warum wohl hat noch niemand von uns mit einer Frau im entsprechenden Alter über Gor geredet?
Was hält UNS denn davon ab?

Obwohl man hier noch differenzieren muss, worauf ich auf adiras Schilderungen mit der  Schwiegermutter zu sprechen komme.
Es ist wohl ein Unterschied, ob eine konservativ eingestellte Frau in dem Alter eine Lebensweise, von der sie SIEHT, man ist glücklich, individuell respektiert und sich somit in Schweigen hüllt, oder ob man einer 65 jährigen Frau unterstellt, sie war glücklich, als versklavte kajira gelebt zu haben.

Und Sascha:

Zitat von: Sascha
Außerdem wäre jemand mit 65 Jahren 1945 geboren worden und damit eher in den Jahren des Wirtschaftswunders aufgewachsen als in den direkten Nachkriegsjahren.


45 begannen die Nachkriegsjahre. Menschen werden in der Kindheit geprägt. Und die Frauen in dem Alter haben zumindest in der Emanzipationsbewegung mitgewirkt, und uns somit den Boden bereitet, dass wir FREI wählen können, was wir leben. Ohne diese Emanzipation wäre D/s gar nicht möglich. D/s kann nur da gelebt werden, wo es den freien Willen gibt. Einen freien Willen, den Norman nicht in Betracht zieht. Er geht davon aus, dass Frau eine sklavin ist, weil sie eine Frau ist, weil es in der Natur der Frauen liegt, versklavt zu werden.
Ob diese Einstellung eine 65 jährige Frau teilt?

Doch das alleine stößt mir bei der Geschichte nicht auf.
Was mich ernsthaft stört, ist die Art und Weise, wie klischeehaft sich in der Geschichte eine 65 jährige Frau, der man eigentlich Lebenserfahrung und Weisheit zuspricht, artikuliert.   

Aussagen, wie:

Zitat von: Jarl Jens"
Hermann war eine starke Persönlichkeit. Er hat sich einfach genommen, was er wollte, hat sich nicht darum geschert, ob mir das passte. Mit einer Ausrede, wie Migräne, brauchte ich ihm gar nicht erst zu kommen.


triefen vor Infantilität.
Kann sich wirklich hier jemand vorstellen, dass eine 65 jährige Frau sowas von sich gibt? Dass sie mit dem 0/8/15 Standartklischee der Migräne kommt? Oder dass sie jemanden auf einen Potest setzt, der sich einfach so nimmt, was er will? Dass eine Frau in dem Alter sowas als "starke Persönlichkeit" benennt?
Nicht wirklich, oder?

Genauso das hier:

Zitat von: Jarl Jens"
Ich glaube, er war auch glücklich, denn er hatte ja eine Frau, die sich nie beschwerte, nie unzufrieden war und klaglos bestrebt war, jeden seiner Wünsche zu erfüllen.


Keine Frau in dem Alter würde „NIE-Floskeln“ in den Mund nehmen, Floskeln, die dogmatisches *schwarz-weiß* Denken zum Ausdruck bringen. Eine Frau in dem Alter ist lebenserfahren und weise genug, um zu wissen, dass es kein NIE gibt, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

Insgesamt hat mich der Dialog mit der Dame an eine verklärte rosarote Teenykonversation erinnert, wo jemand spricht, der das erste Mal verliebt ist, und blind,  ja sogar naiv irgendeine Standartfloskel zum Besten gibt.
Parallel läuft ein witziger Thread über Sklavin Blondy.
Hier in der Geschichte ist Sklavin Blondy wohl schon ins reife Alter gekommen.  :-\

Nun gut...
Geschichten sind Geschichten sind Geschichten, sei es drum.
Ich für meinen Teil respektiere Menschen in dem Alter zu sehr, als sie in das naive Korsett bestimmter Sklavinnenfantasien zu stopfen. 

lg in-es-
« Letzte Änderung: So., 01. Aug 2010, 12:26:57 by in-es- »
Schau was Du tust, und Du weißt, was Du willst.

Offline Jarl Jens

  • Herr von dina
  • Zirkelscholar
  • *
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Männlich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #8 am: So., 01. Aug 2010, 18:41:18 »
@in-es-

Das schönste Kompliment für einen Autor ist, wenn sein geistiges Machwerk viele Interpretationsmöglichkeiten zuläßt, somit viele Menschen mit verschiedenen Ansichten anspricht. Die Sache hat natürlich auch den Nachteil, dass einige Autoren mißverstanden wurden.
Mein Anliegen war keineswegs das willkürliche Auswalzen von verbreiteten Klischees.
Der Gedankenansatz zu dieser kleinen Geschichte war eine äußerst reale Begegnung. Die beschriebene Frau traf ich einstmals auf einem Stammtisch (mit ihrem recht lebendigen Ehegespons /Namen geändert *Anm. des Autors). Mich hat es lediglich gereizt, die Begegnung in einer Geschichte noch zufälliger erscheinen zu lassen ... was die Warscheinlichkeit zwar geringer, aber nicht unmöglich macht.
Das Gespräch mit dieser tatsächlichen Frau war aufschlußreich und interessant für mich. Sie überzeugte mich gerade durch ihre Erfahrung davon, dass nicht jede Frau ihrer Generation eine Suffragette und Freiheitskämpferin war, ältere Menschen sehr wohl noch ein Recht auf ein neigungsgeprägtes Sexualleben haben und nicht nur als Vorbilder für falsch verstandenen Idealismus dienen. Ich würde mir wünschen, dass mich meine Partnerin / Sklavin auch im hohen Alter noch so verliebt anhimmelt. Denn das hat nichts mit Naivität zu tun, sondern mit grenzenlosem Vertrauen.
Du hast meine Achtung, weil du ältere Menschen respektierst. Ich möchte auf keinen Fall, dass sich das ändert, nur weil ich behaupte, dass sie die gleichen Gefühle und Neigungen haben können, wie junge Menschen.
Sieh es doch einfach so: Es ist nur eine nette kleine Geschichte.

Offline in-es-

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 349
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #9 am: So., 01. Aug 2010, 19:33:10 »
Hallo Jarl Jens

ich schrieb ja bereits, dass ich einige Jahre in der Literaturszene unterwegs war, (teilweise noch bin) - gegenwärtig bin ich selbst dabei ein Buch zu schreiben, wofür ich bereits einen Verleger finden konnte.
Die Literaturszene ist sehr kritisch, dagegen ist meine Kritik hier noch reinste Schmeichelei.
Von "vielen Interpretationsmöglichkeiten" kann man hier kaum reden, wenn man ehrlich ist, aber wenn wir schon mal bei der Interpretation sind:
Du interpretierst auch meine Kritik in einer Weise, die so nicht da steht.
Es geht zum Beispiel nicht darum, dass nicht auch ältere Menschen ihre Partner verliebt anhimmeln können, sondern um die naive Artikulation bestimmter Einstellungen, die sehr infantil sind. Ich hab sie im letzten Posting extra zitiert.

Es gibt durchaus Menschen in diesem Alter in der BDSM Szene, (ich kenne sogar einige) nur haben die nicht so eine klischeebehaftete Sichtweise. Und sie sind auch keine Goranhänger.

Zitat
Das Gespräch mit dieser tatsächlichen Frau war aufschlußreich und interessant für mich. Sie überzeugte mich gerade durch ihre Erfahrung davon, dass nicht jede Frau ihrer Generation eine Suffragette und Freiheitskämpferin war, ältere Menschen sehr wohl noch ein Recht auf ein neigungsgeprägtes Sexualleben haben und nicht nur als Vorbilder für falsch verstandenen Idealismus dienen.


Mit Verlaub, aber ich bin mir sicher, dass dieses Gespräch GANZ anders ablief, als von dir hier in der Geschichte beschrieben. Das, was du jetzt schreibst, ist doch SEHR weit entfernt von dem naiven Klischeedenken.
Du kannst mir nicht erzählen, dass sie solche Plattitüden verlauten ließ, wie zum Beispiel:
(Zitat aus dem EP)

Zitat
denn er hatte ja eine Frau, die sich nie beschwerte, nie unzufrieden war und klaglos bestrebt war, jeden seiner Wünsche zu erfüllen.


Das ist vielleicht DEINE Interpretation und Fantasie gewesen, aber ich bezweifele, dass das aus dem Mund einer 65 jährigen lebenserfahrenen Frau kam.
Eine Frau in dem Alter WEIß, dass das mit dem *NIE* nicht funktioniert. Und diese Plattitüden sind auch nicht mehr mit dem im Zusammenhang zu bringen, was du jetzt versuchst zu vermitteln.

Zitat
Denn das hat nichts mit Naivität zu tun, sondern mit grenzenlosem Vertrauen.

 

Kannst du mir bitte sagen, wo es in deiner Geschichte um den Aspekt des tiefen Vertrauens ging?
Da ging es doch nur um solche Floskeln, wie:
„Er hatte das Recht, das durchzusetzen, was...“
„Es war mein Anspruch perfekt/bestmöglichst zu dienen...“
... die typischen Standartsprüche eben. Wo ging es um Vertrauen? 

Zitat
Du hast meine Achtung, weil du ältere Menschen respektierst.
Ich möchte auf keinen Fall, dass sich das ändert, nur weil ich behaupte, dass sie die gleichen Gefühle und Neigungen haben können, wie junge Menschen.

 

Zuersteinmal danke für die Achtung.
Zu dem Rest...
Natürlich können ältere Menschen Neigungen und Gefühle haben, genauso wie junge Menschen, aber nicht dieselbe Naivität in der Denk- Betrachtungsweise und Einstellung.
Dummheit, wie sie die ältere Frau in deiner Geschichte zum Ausdruck brachte, (siehe, was ich im letzten Posting zitierte) hat ganz sicher nichts mit Gefühle und Neigungen zu tun.
Dein Versuch, etwas, was dich berührt hat, in eine Geschichte umzusetzen, mag lobenswert sein, aber nett wird sie für mich dadurch leider nicht.

Ich denke, du hast durchaus das Potential, Geschichten zu schreiben, das sieht man auch an deinen anderen Geschichten, aber vielleicht solltest du ersteinmal Abstand davon nehmen, dich in die Gefühlswelt und Betrachtungsweise einer 65 jährigen Frau - sprich: Protagonistin - hinein zu versetzen. Der Mann in deiner Geschichte wirkte auf jeden Fall authentischer, als die ältere Dame.
Vielleicht liegt Dir aber auch ganz einfach ein anderes  Genre mehr bzw. besser, als das, der Liebe und Kurzgeschichten.
Humor zum Beispiel? ;-) 

lg ines
« Letzte Änderung: So., 01. Aug 2010, 19:39:00 by in-es- »
Schau was Du tust, und Du weißt, was Du willst.

Online Herr_der_O

  • dominanter Mann
  • *
  • Beiträge: 157
  • Geschlecht: Männlich
  • Man(n) wird nicht als Herr geboren...
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #10 am: So., 01. Aug 2010, 20:46:08 »
Hallo Jarl Jens,

die Geschichte lässt natürlich viele Interpretationsmöglichkeiten zu.
Die, was aus der goreanischen Story tatsächlich umsetzbar ist, ob das Zusammentreffen sich tatsächlich so abgespielt hat, und was daran vielleicht Phantasie war...
Ich kann es nicht wissen, ich war nicht dabei. Hängen geblieben ist bei mir nur, dass da eine erfahrene Frau dargestellt wurde, die mit Ehrfurcht an ihren verstorbenen Mann zurückgedacht hat. Ob nun alles im Detail so war, egal. Es war eine Geschichte. Und das Ende war schön.
Zu dem, was -real- umsetzbar ist habe ich eh meine eigene Meinung.

Gruß, HdO
"Es ist nicht verkehrt, Menschen zu führen.
Es ist nur verkehrt, wenn der falsche Mensch führt."

Offline in-es-

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 349
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #11 am: So., 01. Aug 2010, 21:08:27 »
Also ein bisschen macht mir das Angst. ;-)

Zitat
dass da eine erfahrene Frau dargestellt wurde


Wenn man diese Floskeln wirklich als "erfahren" bezeichnet, dann wundert mich langsam nichts mehr. Wirklich nicht.

Nun ja, lassen wir das.
Schau was Du tust, und Du weißt, was Du willst.

Online Herr_der_O

  • dominanter Mann
  • *
  • Beiträge: 157
  • Geschlecht: Männlich
  • Man(n) wird nicht als Herr geboren...
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #12 am: So., 01. Aug 2010, 21:22:41 »
Hallo ines,
ich glaube, ich drückte aus, dass es für mich eine Geschichte ist. Ich neige nicht dazu, den Autor im Detail zu zerlegen. Ob das alles so war, egal. Es drückte am Ende ein Gefühl der Zufriedenheit aus, egal ob der Autor da im Detail literarisch wertvoll war oder nicht, es ist hier eine virtuelle Welt.
Gedankenwelt halt.

Zu -real- habe ich sowieso meine eigene Meinung und werde die behalten, deswegen habe Ich auch keine Angst  :)
"Es ist nicht verkehrt, Menschen zu führen.
Es ist nur verkehrt, wenn der falsche Mensch führt."

Offline in-es-

  • submissive Frau
  • *
  • Beiträge: 349
  • Geschlecht: Weiblich
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #13 am: So., 01. Aug 2010, 21:39:19 »
Zitat
Ich neige nicht dazu, den Autor im Detail zu zerlegen.


Ich bitte Dich von Andeutungen, die ggf. in Unterstellungen ausarten, abzusehen, Herr der O.
ich habe mit keiner Silbe den Autor zerlegt, (wieso sollte ich, ich kenn ihn doch gar nicht?)
... sondern mich rein weg auf die Geschichte bezogen.
Über den Autor selbst schrieb ich dagegen nur ein paar Sätze, u.a. auch Positives. Zum Beispiel, dass er ein Potential hat, um Geschichten zu schreiben.

Ob es alles so war, wie es in der Geschichte steht, ist egal?
Sag mal, warst du nicht derjenige, der vor gar nicht so langer Zeit unter einer Geschichte kritisch fragte, was davon Fantasie und was real ist?  ;)

Seien wir doch ehrlich, dir gehts jetzt nur darum, den vermeintlich armen Autor der Geschichte, den ich scheinbar auseinander nehme, ein wenig Rückendeckung zu geben. Ist doch dein gutes Recht, Du kannst es ruhig so schreiben ohne drumherum zu reden. Ich hab damit wahrlich kein Problem.

Einen schönen Tag noch ;-)

ines
Schau was Du tust, und Du weißt, was Du willst.

Online Herr_der_O

  • dominanter Mann
  • *
  • Beiträge: 157
  • Geschlecht: Männlich
  • Man(n) wird nicht als Herr geboren...
Antw:Geistiges Konvolut
« Antwort #14 am: So., 01. Aug 2010, 21:56:47 »
.. ich auch nicht, und ich bleibe bei meiner Meinung.
Mir stellt sich mehr die Frage, was hat den Autor bewegt, das hier einzustellen? Dafür wird es eine Motivation gegeben haben.
Auf jedes Detail einzugehen, ist mir zu kompliziert. Einfach mal die ganze Geschichte in der Gesamtheit sehen, was sie eigentlich ausdrücken wollte. Ob nun alles so stimmte, unter diesem Hintergund, ist doch eigentlich egal....
Klar, der Autor kriegt von mir eine Rückmeldung, und ich habe damit auch kein Problem, darum mache ich es ja.

Letztendlich kann es nur der Autor selbst wissen.

Gruß, HdO
"Es ist nicht verkehrt, Menschen zu führen.
Es ist nur verkehrt, wenn der falsche Mensch führt."